Was ist Arbeitslosigkeit?

Nach § 16 i.V.m. §138 SGB III eine Person, die:

  • ohne Arbeitsverhältnis ist (Beschäftigungslosigkeit)
  • als arbeitslos gemeldet ist (Meldung)
  • theoretisch Arbeiten kann (Verfügbarkeit)
  • aktiv versucht, Arbeit zu finden (Eigenbemühung)

Arten der Arbeitslosigkeit

Konjunkturelle Arbeitslosigkeit

  • Erklärung:
    Es wird weniger angefragt, daher muss weniger produziert werden. Weniger Arbeitnehmer*innen sind folglich notwendig, um die Nachfrage zu decken. Arbeitslosigkeit entsteht durch sinkende Nachfrage, an die sich das Angebot anpasst.
  • Beispiel: Person während der Weltwirtschaftskrise 2008 verliert ihren Job durch Einbruch der Wirtschaft.

Saisonale Arbeitslosigkeit

  • Erklärung: Beschäftigungsschwankung innerhalb des Jahres.
    Wegen starker saisonaler Bindung des Arbeitsbereiches, gibt es nicht ganzjährig eine gleichbleibende Nachfrage, an die sich das Angebot anpasst.
  • Beispiel: Eine in einer Skianlage arbeitende Person, welche im Sommer wegen Schneemangel geschlossen ist.

Friktionelle Arbeitslosigkeit

  • Erklärung: Kurzarbeitslosigkeit. Arbeitslosigkeit, die durch nicht fließenden Übergang zwischen zwei Beschäftigungsverhältnissen entsteht.
  • Beispiel: Eine Person ist mit ihrer Ausbildung fertig und bewirbt sich für den kommenden Monat auf eine Stelle im Betrieb.

Strukturelle Arbeitslosigkeit

  • Erklärung: Strukturelle Veränderung der Wirtschaft. Wegen technischen Fortschritts, neuen Regelungen oder ortsbedingten Faktoren, wird die Anzahl an benötigten Arbeitsstellen reduziert.
  • Beispiel: Personen, die im Tagebau tätig sind, welche bis 2038 wegen des Kohleausstiegs arbeitslos werden.

Mismatch Arbeitslosigkeit

  • Erklärung: Benötigte Kenntnisse und Wissen der Arbeitnehmer stimmen nicht überein. Durch Wandel der für den Arbeitsbereich notwendigen Kenntnisse bei gleichbleibenden Wissensstand der Arbeitnehmer, decken sich die Voraussetzungen für den Arbeitsplatz nicht mehr mit den Kenntnissen der Mitarbeitern.
  • Beispiel: In einer IT-Firma wird auf ein anderes Produkt umgestellt, weswegen Expert*innen im Bereich des alten Produkts nicht mehr ihre Kenntnisse anwenden können.

Arbeitslosenstatistik

  • offizielle Arbeitslosigkeit im Januar 2019: 2.405.586 (5,3%)
  • Personengruppen im Bereich Unterbeschäftigung, die nicht oben enthalten sind:
Gruppe Anzahl
Älter als 58, beziehen Arbeitslosengeld II 170021
Ein-Euro-Jobs (Arbeitsgelegenheiten) 65828
Förderung von Arbeitsverhältnissen 7202
Fremdförderung 207182
Bundesprogramm Soziale Teilhabe am Arbeitsmarkt 28
berufliche Weiterbildung 165979
Aktivierung und berufliche Eingliederung (z.B. Vermittlung durch dritte) 184610
Beschäftigungszuschuss (für schwer vermittelbare Arbeitslose) 1941
Kranke Arbeitslose (§146 SGB III) 61279

\rightarrow Nicht gezählte Arbeitslose gesamt: 864.070
\Rightarrow Tatsächliche Arbeitslosigkeit im Januar 2019: 3.270.055 (7,2%)

Kritik: Oft sind politische oder gesetzliche Änderungen für ein Absinken der AL-Zahlen verantwortlich.

Arbeitslosigkeit als Stressfaktor

  • Druck vom Arbeitsamt:
    • Drohende Leistungskürzungen
    • Termindruck
    • Mann muss jede Stelle annehmen
    • Meldung von Ortsabwesenheit (max. 21 Tage/Jahr)
  • Vorurteile ggü. Arbeitslosen: faul, bemühen sich nicht, sind sich für best. Arbeiten “zu gut”
  • Teufelskreislauf: Arbeitslosigkeit –> Verlust der Wohnung –> niedrigerer Lebensstandard –> eingeschränkte Mobilität –> psychische Probleme –> keine oder wenige gesellschaftliche Teilhabe
  • Leistungsgesellschaft: Der Wer eines Menschen bemisst sich oft am Erfolg bzw. an der Arbeitswilligkeit

Quellen